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Kettenmenschen.de - Wie wir helfen
„Wer angekettet wird wie ein Hund, der wird zum Hund.“
Gregoire Ahongbonon.

Nach ihrer Befreiung gehen die Kranken einen langen Weg zurück in die Normalität. Ihre Augen müssen sich an die Helligkeit gewöhnen, ihr Körper lernt das Stehen und Laufen neu. Sie bekamen in der Gefangenschaft häufig Abfall zu essen, jetzt müssen sie sich auf normale Nahrung umstellen. Sie müssen ihre Sprache wieder finden und die Gesellschaft anderer Menschen ertragen lernen.

Die ersten Monate verbringen die ehemaligen Kettenmenschen als Patienten in vier „Willkommenszentren“, die St. Camille betreibt. Schutzzonen, „Aufwachräume“, wo man sie zunächst wäscht, ihre Fingernägel schneidet, sie von Parasiten und Würmern befreit. Sie begegnen hier oft zum ersten Mal Psychiatern und Ärzten, die ihre Krankheitsbilder zu erkennen versuchen. Im Unterschied zu den staatlichen Krankenhäusern und den traditionellen Heilern ist die Behandlung und Unterbringung bei St. Camille für die Patienten kostenlos. So kritisch der Einsatz von Psychopharmaka berechtigterweise in Europa diskutiert wird, so segensreich wirken die Medikamenten bei diesen Patienten, von denen viele nun wieder ein normales Leben führen können.

Die Integration in die Patientengemeinschaft ist mindestens so wichtig. In den Zentren gibt man den Ausgestoßenen wieder die Hand, umarmt sie, spielen Kinder mit von der Kette befreiten Frauen. Allmählich beginnen die Kranken Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft zu übernehmen. Das System „Dorfgemeinschaft“ beginnt zu wirken. Die Kranken arbeiten mit als Köchinnen, Betreuer, sie helfen beim Putzen der Unterkünfte oder beim Waschen.

Zur langfristigeren Behandlung dienen Rehabilitationszentren. Elf gibt es bislang in der Elfenbeinküste und dem Benin. Dort lernen Patienten, ihr Leben langsam wieder in die eigene Hand zu nehmen. Sie werden ausgebildet, im Weben, dem Backen, dem Anbau unterschiedlicher Wirtschaftspflanzen und der Aufzucht von Schweinen und Hühnern. Für diese Arbeit werden sie entlohnt – oft das erste selbst verdiente Geld ihres Lebens.

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