Das Zentrum Yenfaabima in Piéla

Nicht nur in der Elfenbeinküste oder dem Benin werden psychisch kranke Menschen ausgegrenzt und weggesperrt. Auch im Nachbarland Burkina Faso ist das Anketten alltäglich. Der Pfarrer und Musiker Tankpari Guitanga hat lange dem Elend zugeschaut und sich dann entschieden, selbst zu helfen. Er gründete im Mai 2015 die Hilfsorganisation Yenfaabima e.V., was so viel heißt wie Gott ist ein Befreier, und begann seine Arbeit in einem kleinen angemieteten Haus in der Gemeinde Piéla im Osten von Burkina Faso.

Anfangs kamen 40 Personen zur monatlichen psychiatrischen Sprechstunde, doch das Angebot des Zentrums sprach sich schnell herum und wurde über das Radio weiter verbreitet. Längst sind es mehrere Hundert psychisch Kranke, die jeden Monat oft von weit her den Weg nach Piéla finden und dort behandelt werden. Menschen mit Psychosen, Schizophrenien, aber auch Epileptiker werden von Fachärzten und Fachpflegern betreut und medikamentiert.
Das Angebot ist wichtig, für manche überlebenswichtig: Denn im ganzen Land gibt es nicht einmal ein Dutzend Psychiater. Die behandelnden Ärzte, die die monatlichen mehrtägigen Sprechstunden durchführen, reisen aus der Hauptstadt Ouagadougou sowie aus dem 360 Kilometer entfernten Ort Ouahiguya an. Seit September 2017 finden die Sprechstunden in einem eigenen Gebäude statt, dessen Errichtung mit Geldern aus Deutschland unterstützt wurde. Es wurde ein eigener Brunnen gebaut, auch einige Plätze für die vorübergehende stationäre Aufnahme Schwerstkranker wurden eingerichtet.

Den Kontakt zu Pfarrer Tankpari Guitanga hat Rudolf Schmid aus Stetten im Remstal geknüpft. Er war bereits in den Neunziger Jahren als Musiker in Burkina Faso unterwegs und in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Mehrmals organisierte Schmid kulturelle Austauschbesuche zwischen Deutschland und Burkina Faso und hat den Freundeskreis Yenfaabima im schwäbischen Stetten ins Leben gerufen. Die kleine Initiative schloss sich dem Freundeskreis St. Camille an. Im Mai 2016 war Rudolf Schmid zusammen mit seiner Tochter, der Filmemacherin Lilith Kugler, drei Wochen in Piéla, um die Arbeit vor Ort dokumentarisch zu begleiten. Aus den aufgezeichneten Interviews und dem Ton- und Bildmaterial wurde ein Dokumentarfilm produziert. Aktuelle Informationen zur Arbeit von Yenfaabima sind zu finden unter www.la-maladie-du-demon.com
Der Freundeskreis St. Camille unterstützt das Zentrum mit regelmäßigen Medikamentenlieferungen und fördert Einzelprojekte wie Bauten oder Sachkosten.

Das Zentrum Notre Dame de l’Espérance in Bobo-Dioulasso

Das Aufnahmezentrum für psychisch kranke Menschen Notre Dame de l’Espérance liegt in Bobo-Dioulasso, der mit 550 000 Einwohnern zweitgrößten Stadt in Burkina Faso. Es wurde im Dezember 2014 von Emmanuel Nabaloum gegründet, einem engagierten Pfarrer und Psychiater. Das Zentrum befindet sich auf dem Gelände der katholischen Mission - der Erzbischof von Bobo Dioulasso, Msgr. Paul Yemboaro Ouédraogo, unterstützt es nach Kräften. Ein medizinisches Team mit mehreren Ärzten und Fachkrankenpflegern kümmert sich um die psychisch Kranken. Bis zu 300 Patienten werden in Spitzenzeiten auf dem Gelände betreut. Der Erzbischof stellt Räumlichkeiten zur Verfügung: Behandlungszimmer sowie Besprechungsräume für das Personal. Außerdem gibt es landwirtschaftliche Rehabilitationsprojekte. Auf eigenen Feldern und in der Nutztierhaltung werden die Kranken beschäftigt. Sie übernehmen einfache Aufgaben, sie bauen Gemüse und Getreide für die Küche der Einrichtung an.

Die Helfer des Zentrums holen immer wieder, verwirrte und psychisch instabile Menschen von der Straße. Zudem betreuen sie etliche Kranke in den Gefängnissen des Landes. Die ambulante oder stationäre Behandlung psychisch kranker Menschen ist in Burkina Faso miserabel. Wer auf der Straße landet, ist meist komplett auf sich alleine gestellt und verwahrlost allmählich. Die Angst, sich bei den Verwirrten „anzustecken“ und in Kontakt zu kommen mit bösen Geistern lässt viele Menschen Abstand halten. Pfarrer Emmanuel Nabaloum hat das Problem schon vor vielen Jahren erkannt und kämpft gegen die Stigmatisierung der Patienten an.

Die Beziehungen zu den Nachbarn des Centre Notre Dame de l’Espérance sind gut. Einige Nachbarn spenden Lebensmittel, manche bieten sogar Ausbildungsplätze an. Der Freundeskreis St. Camille unterstützt das Zentrum mit regelmäßigen Medikamentenlieferungen.

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Jeder Sprechstunde in Piéla geht eine kurze Besprechung der psychiatrischen Fachkräfte voraus, die über die richtige Einnahme der Medikamente und mögliche Nebenwirkungen aufklärt.